Grundlagen

- ein kleiner Überblick

- warum Volksgruppen?

- Definitionen



Unerreichte Volksgruppen, AD2000, Joshua-Project, Bethany - ein kleiner Überblick

In den letzten Jahrzehnten richtete sich die Aufmerksamkeit der Christen weltweit auf die einzelnen Volksgruppen. So heißt es in Matth. 24:14 (Elberfelder):

"Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen (griech. ethnos) zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen."

Gingen früher Missionare nach China, Indien oder Tansania, so wurde es ein drängendes Verlangen, nicht nur politische Staaten, sondern die einzelnen ethnischen Gruppen mit dem Evangelium zu erreichen.

Verstärkte Forschung fand statt, spezielle Projekte und Werke wurden gestartet und klare Definitionen wurden notwendig.

So versteht man unter einer Volksgruppe eine genügend große Gruppe von Menschen, die sich selbst als einander zugehörig verstehen (nach Patrick Johnstone: "Gebet für die Welt").

Die Zugehörigkeit kann sich auf verschiedene Kategorien beziehen, besonders richtete sich das Augenmerk auf ethnolinguistische Volksgruppen, Volksgruppen, die durch eine gemeinsame Sprache verbunden sind.

Es hat sich aber herausgestellt, dass gerade in Nordafrika oder Indien auch religiöse, kulturelle oder soziale Kriterien eine so große Rolle spielen, dass eine gemeinsame Sprache nicht ausreicht, um eine Zugehörigkeit zueinander herzustellen. Daher stehen im Zusammenhang mit Weltmission ethnokulturelle Volksgruppen im Vordergrund.

Da hier Fragen der Erreichbarkeit mit dem Evangelium interessieren, werden bei Volksgruppen, die über verschiedene politische Staaten verteilt leben (z.B. die Kurden), jeweils die Untergruppen innerhalb der einzelnen Staaten als eigene Volksgruppen betrachtet.

Insgesamt gibt es zur Zeit um die 16.000 verschiedene (ethnokulturelle) Volksgruppen.

Eine solche Volksgruppe ist "unerreicht" oder "wenig erreicht", wenn es dort keine lebensfähige einheimische Gemeinschaft von gläubigen Christen gibt, die genügend Anhänger und Mittel hat, um ihre Volksgruppe ohne Hilfe von Missionaren aus anderen Kulturen zu evangelisieren (nach Patrick Johnstone: "Gebet für die Welt").

Zur Zeit sind knapp um die 7.000 Volksgruppen noch unerreicht!

Um das Jahr 1990 wurde die internationale Koordinationsstelle "AD2000 and Beyond" gegründet. Ziel dieser Bewegung:

"Bis zum Jahr 2000 eine Kirche für jede Volksgruppe und das Evangelium für jeden Menschen."

Zur Umsetzung wurde unter dem Namen "Josua Project" 1995 eine Liste mit 1.739 unerreichten (ethnolinguistischen) Volksgruppen veröffentlicht. Jede dieser Volksgruppen bestand aus mindestens 10.000 Menschen (einige aus vielen Millionen), unter denen es weniger als 2% entschiedene Christen und weniger als 5% nominelle Christen gab.

Gemeinden und Werke wurden motiviert, einzelne dieser Volksgruppen zu "adoptieren", Gebetseinsätze fanden statt und nach und nach begannen Gemeindegründungsteams in einer Reihe dieser Volksgruppen mit der Arbeit. Bethany Fellowship veröffentlichte 1997 zu jeder dieser Volksgruppen ein Profil mit Informationen zu Politik, Glaube, Tradition und Lebensweise. Dadurch konnte man präziser beten und sich zumindest grob über die einzelnen Völker informieren.

Schon jetzt sind viele Erfolge sichtbar: Jede der 1.739 Volksgruppen ist aus der Anonymität der "xx% unerreicht" ins Bewusstsein der Christen gekommen. Wir wissen mehr über ihr Leben und haben angefangen zu beten. Viele Gemeinden engagieren sich für eine der Gruppen, haben sich mit anderen Gemeinden zusammengetan und Netzwerke gebildet, es gibt Gemeindegründungsteams und neue Gemeinden sind entstanden.

Anfang 2001 wurde AD2000, wie von Anfang an geplant, aufgelöst.

Die Fülle an Daten und Informationen, die im Verlauf von AD2000 über die einzelnen Volksgruppen gesammelt worden war, wird auf noch breiterer Basis von Joshua Project II (www.joshuaproject.net) weiter gepflegt und der Gemeinde Christi weltweit auch über das Internet zur Verfügung gestellt. Dabei wird auch die kulturelle Identität berücksichtigt, es werden Daten und Informationen zu den verschiedenen ethnokulturellen Volksgruppen gesammelt.

Trotzdem bleibt noch viel zu tun:


Damit aus einer unerreichten eine erreichte Volksgruppe wird, müssen einheimische selbstständige gesunde Gemeinden entstehen und wachsen. Aber nur Gemeinden können – mit Unterstützung von Missionswerken - Gemeinden pflanzen und durch ihr Vorbild eine Vision für Gemeinde weitergeben, die dann in dem jeweiligen kulturellen Kontext umgesetzt werden muss.

Eine unmögliche Aufgabe?

Fast 7.000 unerreichte Volksgruppen – eine riesige Zahl!

ABER, rein statistisch gesehen, gibt es inzwischen für jede dieser Volksgruppen 600 Gemeinden weltweit.

Nicht jede Gemeinde wird sich beteiligen, aber wenn nur ein paar dieser Gemeinden sich zusammentun...

Sind Sie dabei?

Für spezielle Fragen und nähere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung:

info@unerreichte-volksgruppen.de



Warum Volksgruppen?

Warum legen wir heute einen grossen Schwerpunkt auf unerreichte Volksgruppen? Ist das ein neues Schlagwort amerikanischer Missiologen? Geht es in der Bibel nicht einfach um die ganze Welt, um alle Menschen? Ist es Gott nicht gleichgültig, wo wir uns missionarisch und evangelistisch engagieren und investieren, weil doch alle Menschen gleich wertvoll sind? Hauptsache, wir tun überhaupt was?

Wir wollen uns im Schnelldurchgang einige Bibelstellen (rev. Elberfelderübersetzung) dazu anschauen:

Altes Testament:

In Genesis 12, 2-3 steht folgende Verheissung an Abraham:

"Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein! Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!"

In Abraham und seinem Nachkommen sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden. Das hebr. Wort für Geschlechter meint Clans, Stämme oder Grossfamilien.

Psalm 2.8 gibt die Verheissung des Vaters an den Sohn wieder:

"Fordere von mir, und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben, zu deinem Besitz die Enden der Erde."

Der Vater verspricht seinem Sohn (Jesus) alle Völker der Erde (und das schon ca. 1000 Jahre, bevor Jesus kam). Das hebräische Wort für Nationen (gojjim) meint nicht Länder mit ihren politischen und geographischen Grenzen, sondern Völker mit einer eigenen kulturellen und sprachlichen Identität. Fast alle deutschen Übersetzungen geben sie nur ungenau weiter.

Jesaja 49.6 der Knecht, das Licht für die Völker:

"Ja, er spricht: Es ist zu wenig, daß du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels zurückzubringen. So mache ich dich <auch> zum Licht der Nationen, <daß> mein Heil reiche bis an die Enden der Erde."

Jesus, der Knecht Gottes, ist nicht nur das Licht für Israel, sondern für alle Völker. Dadurch wird sein Heil auf der ganzen Welt bekannt, (das ganze Buch Jesaja ist voll von dem Thema "Völker").

Neues Testament:

Der griechische Begriff für Völker (ethnos) hat dieselbe Bedeutung wie das hebr. Wort (goy): er meint nicht einzelne Menschen oder politische Ländergrenzen, sondern Gruppen mit einer eigenen ethnischen und sprachlichen Identität. In den folgenden Versen wird der griech. Begriff "ethnos" verwendet.

Von und über Jesus:

Lukas 2,29-32: Simeons Prophezeiung

"Nun, Herr, entläßt du deinen Knecht nach deinem Wort in Frieden; denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das du bereitet hast im Angesicht aller Völker: ein Licht zur Offenbarung für die Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel Jesus ist das Licht für die Völker, nicht nur für sein Volk."

Matth. 24,14: das Ende der Welt (vergleiche auch Mk 13,10)

"Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen."

Das Ende dieser Erde ist von der Missionierung aller Völker abhängig.

Matth. 28,19-20a

"Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe."

Es ist der letzte Wille und die Verheissung Jesu: alle Völker sollen zu Jüngern werden.

Von und über Paulus:

Apg. 13,46-47

"Paulus aber und Barnabas sprachen freimütig: Zu euch mußte notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stoßt und euch selber des ewigen Lebens nicht für würdig haltet, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen. Denn so hat uns der Herr geboten: "Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, daß du zum Heil seiest bis an das Ende der Erde."

Paulus verstand die Aufgabe des Knechtes Gottes als die Aufgabe der Gemeinde Jesu: Allen Völkern das Licht Gottes zu bringen.

Römer 15,20.23

"So aber setze ich meine Ehre darein, das Evangelium zu verkündigen, nicht da, wo Christus genannt worden ist, damit ich nicht auf eines anderen Grund baue."

Paulus verstand Auftrag Jesu so, dass er weiterzog und unter noch unerreichten Gebieten Gemeinde gründete

Römer 15,25

"Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet: Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen hineingekommen sein wird."

Die "Vollzahl" der Völker ist nicht nur eine vordefinierte Anzahl Menschen, sondern "die Vollzahl" aus allen Volksgruppen, (vgleiche Offb. 5.9f, 7.9f)

Die Offenbarung:

Offb. 5,9 (sowie 7,9)

"Und sie singen ein neues Lied und sagen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast durch dein Blut für Gott erkauft aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation."

Die Vision vom Himmel zeigt klar, dass aus jedem Volk Menschen vertreten sind, die Gott anbeten und preisen.

Warum Volksgruppen? Warum reicht eine grosse Zahl von Menschen nicht aus, die Gott nachfolgen und preisen? Weil es um Gottes Ehre geht. Gott wird verherrlicht, wenn Menschen aus allen Volksgruppen ihn preisen. Sein Heil in Jesus gilt für Menschen aus allen Völkern. Er wird sich im Himmel nicht eingestehen müssen, dass seine Rettungstat für einzelne Völker nicht greifbar und annehmbar war. Das würde seine Ehre schmälern. Und da der Vater dem Sohn alle Völker versprochen hat, können wir sicher sein, dass der Sohn dieses Versprechen einlöst. Übrigens, durch sein Volk, durch Menschen, die zu seiner weltweiten Gemeinde gehören.


Definitionen

E-1, E-2, E-3 Evangelisation

E-1 Evangelisation bezieht sich auf eine Arbeit in der eigenen Stadt oder geographischen Region oder in der eigenen Kultur (oft als „Jerusalem“ und „Judäa“ bezeichnet).

E-2 Evangelisation ist interkulturell, bezieht sich aber auf eine Kultur, die signifikante Ähnlichkeiten zu der eigenen Kultur aufweist (bezeichnet als „Samaria“).

E-3 Evangelisation ist Evangelisation, die signifikante kulturelle Barrieren überschreitet („die Enden der Erde“).


10/40-Fenster

Das Gebiet zwischen dem 10. und dem 40. Breitengrad nördlich des Äquators, das Nordafrika, den Nahen und Mittleren Osten und Asien umfasst. In diesem Gebiet befinden sich die Teile der Welt, die die größten materiellen und geistlichen Nöte haben, die meisten der am wenigsten erreichten Völker der Welt und die meisten Regierungen, die dem Christentum feindlich gegenüberstehen. (Operation World)


Volksgruppe (Volk)

Eine Volksgruppe ist eine genügend große Gruppe von Menschen, die sich selbst als einander zugehörig verstehen.

Die Zugehörigkeit kann sich auf verschiedene Kategorien beziehen, man unterscheidet unter anderem:

Da hier Fragen der Erreichbarkeit mit dem Evangelium interessieren, werden bei Volksgruppen, die über verschiedene politische Staaten verteilt leben (z.B. die Kurden), jeweils die Untergruppen innerhalb der einzelnen Staaten als eigene Volksgruppen betrachtet.


Unerreichte Volksgruppe (unerreichtes Volk)

Eine unerreichte Volksgruppe ist eine ethnokulturelle Volksgruppe, unter der es keine lebensfähige einheimische Gemeinschaft von gläubigen Christen gibt, die genügend Anhänger und genügend Mittel hätte, um ihr eigenes Volk ohne Hilfe von Missionaren aus anderen Kulturen zu evangelisieren. Andere Forscher sprechen stattdessen von „versteckten Völkern“ und von „Pioniermissionsvölkern“. (nach Operation World)


Adoption einer Volksgruppe

Der Prozess, in dem eine Gemeinde oder ein Missionswerk sich verpflichtet, die geistigen, physischen und materiellen Voraussetzungen zur Verfügung zu stellen, die notwendig sind, damit eine unerreichte Volksgruppe evangelisiert wird. Der „Adoptionsprozess" geschieht normalerweise in Zusammenarbeit mit anderen, die ähnliche Verpflichtungen übernommen haben. (Operation World)


Bemerkungen:

1) Auf dieser Internetseite wird unter den Begriffen "Volk" und Volksgruppe" das gleiche verstanden. Es geht bei dem Wort "Volk" nicht um die Gesamtheit der Bewohner eines politischen Staates, sondern um die einzelnen "Völker", d.h. Gruppierungen oder "Volksgruppen", die in diesem Staat leben.

2) Alle Zahlenangaben und Statistiken beruhen auf zugrunde gelegten Definitionen, Modellen und Kategorisierungen, die der Originalität jedes einzelnen Menschen als Geschöpf Gottes niemals gerecht werden können. Sie sind wertvolle Hilfsmittel, um die Welt, in der wir leben, besser zu verstehen, haben aber keinen Selbstzweck in sich. So gibt es keine richtigen oder falschen Modelle, sondern jedes Modell wird Teile der Wirklichkeit besser oder schlechter beschreiben als ein anderes Modell. Wir beziehen uns hier hauptsächlich auf die Modelle und Zahlen von Joshuaproject.



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